Startseite  >  Presse  >  Ein Bier zu viel?

Ein Bier zu viel?

Immer früher fangen Jugendliche an, Alkohol zu trinken. Wie Eltern damit umgehen können, erläutert Ralf Mauelshagen, Stiftungsbetreuer der Stiftung Deutsche Kindersuchthilfe.

Wie können Eltern ihre Kinder zu einem maßvollen Umgang mit Alkohol erziehen?

Risikoverhalten im Jugendalter ist vollkommen normal und auch Ausprobieren ist normal. Verbote helfen wenig. Aber es gibt ein paar wichtige Regeln: Je früher Kinder Alkohol trinken, umso höher ist die Gefahr, dass sie einmal abhängig werden. Bis 16 Jahre sollten Jugendliche überhaupt keinen Alkohol trinken. Danach sollten Eltern Regeln aufstellen und bereit sein, sie zu kontrollieren. So kann ich die Vereinbarung treffen, dass auf einer Fete nichts Hochprozentiges getrunken wird. Oder ich erlaube, dass mein Teenie zu Hause gelegentlich und maßvoll Alkohol trinken darf. Aber ich muss auch darauf achten, dass das nicht zur Gewohnheit wird. Eltern müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Und ihren Kindern zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist, regelmäßig Alkohol zu trinken. Die beste Prävention besteht darin, in Kontakt zu seinen Kindern zu sein, sich Zeit für sie zu nehmen, ihnen zuzuhören, Interesse zu zeigen. Wichtig ist, dass man Kinder, die selbst noch kein Interesse an Alkohol haben, nicht zum Probieren auffordert.

Foto: Gerti G., Photocase.com

Wie reagiere ich, wenn mein Kind zu viel Alkohol getrunken hat?

Das sollte man nicht dramatisieren, aber auf jeden Fall thematisieren. Eltern sollten ihren Kindern zeigen, dass sie ihnen wichtig sind. Oft warten Pubertierende – auch wenn sie genervt tun – darauf, dass ihre Eltern sie auf das Thema Alkohol ansprechen. Wenn es nicht bei einem Ausrutscher bleibt, muss ich gucken, ob vielleicht etwas an dem Kontakt zum Jugendlichen nicht stimmt. Oder ob etwas beim Teenie selbst nicht stimmt: Nutzt er den Alkohol, um in bessere Stimmung zu kommen, Hemmungen zu verlieren oder weil er dem Druck der Clique nicht standhält? Dann ist es wichtig, das Kind so zu stärken, dass es lernt, auch „Nein" sagen zu können.
Wenn der Jugendliche sich nicht an Absprachen hält, muss ich über Konsequenzen nachdenken. Wenn ein Kind sich bei einer Fete nicht an die Absprachen hält, wird die nächste Fete gestrichen. Und danach startet man wieder einen neuen Versuch.

Und wenn das Problem so nicht in den Griff zu kriegen ist?

Dann würde ich erst einmal ohne den Jugendlichen eine Beratungsstelle aufsuchen. Der nächste Schritt wäre, eine Beratungsstelle mit dem Jugendlichen zusammen zu besuchen. Beratungsstellen findet man zum Beispiel unter www.dajeb.de.

Interview: Bettina Wendland
Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von family, SCM Bundes-Verlag, Witten